Kerzenständer, Vogelhäuschen, Sofas – egal, was es ist, der Trend geht zum Selbermachen. Wen wundert es also, dass meine Freundin Lena kürzlich mit folgender Idee um die Ecke bog: „Wir machen jetzt Sushi selber.“ Gesagt, getan. Ehe ich mich versah, fand ich mich inmitten einer Horde Sushi-Gourmets wieder. Fleißig rollten wir unter den strengen Augen des Sushimeisters unseren rohen Fisch in die Algenblätter mit Reis. Was bei allen anderen ziemlich gekonnt aussah, fiel bei mir leider nicht ganz so elegant aus. „Die Rolle muss fei scho zu gehen, so kannst des net essen“, kommentierte der fränkische Sushi-Zauberer meine erste Sushi-Rolle. Der Mann muss es wissen. Die Ausbildung zum Sushi-Meister dauert nämlich sechs bis zehn Jahre…

Grün und scharf: Wasabi darf in der japanischen Küche nicht fehlen.

Grün und scharf: Wasabi darf in der japanischen Küche nicht fehlen.

 

 

Nach dem vernichtenden Urteil des Experten überließ ich meiner offenbar in Sachen Sushi begabteren Freundin Lena resigniert das Rollen und beschloss tollkühn, stattdessen den Meister mit Fragen zu überrollen. Der erklärte mir stolz, dass ein Lehrling im ersten Jahr lernt, Reis in Perfektion zu waschen. Bis er mal Hand an rohem Fisch anlegen darf, würden ein paar Jahre vergehen. „Ein Jahr lang Reis waschen?“, fragte ich ungläubig und suchte fieberhaft nach einem weiteren Ablenkungsmanöver.

Da! Wasabi! Als Meerrettichfan wandert natürlich keine Maki-Rolle ohne einen Klecks des „japanischen Meerrettichs“ in meinen Mund. Ich setzte also erneut an, den Sushinator wissbegierig zu malträtieren, der sich sicher schon bei der „Sendung mit der Maus“ wähnte: „Woher bekommt Wasabi eigentlich diese grüne Farbe?“ Die Wurzel sei tatsächlich von Natur aus grün, erwiderte er geduldig. Was viele nicht wüssten: In Sushi-Restaurants wird oft ein Wasabi-Imitat verwendet. Das besteht aus echtem Meerrettich und etwas grüner Lebensmittelfarbe. Grund dafür sei der hohe Preis des echten Wasabis. 150 € blättert man für ein einziges Kilogramm hin. Auf Meerrettich ist halt Verlass, dachte ich für mich.

Am Ende des Kurses durfte jeder Teilnehmer seine selbst gemachten Sushi-Rollen mitnehmen. Lena packte stolz ihre Tupper-Dosen voll. Auf meinem Holzbrett herrschte dagegen gähnende Leere. Auf dem Heimweg holte ich mir ein paar California-Rolls in meinem Lieblings-Sushi-Laden. Dort wird übrigens echter Wasabi verwendet.