Team Schamel im Woid

Na, wie lang habt´s braucht? 5 Stunden?“, fragt der Hausherr der Pension am nächsten Morgen zuallererst, als die Team Schamel-Athleten Stefan Meyer, Sebastian Fahsold, Anke Friedl und Johannes Hendel den Frühstücksraum betreten – wohlwissend, dass der Streckenrekord des U.TLW bei 05:01:19 h liegt.

Der über 70-Jährige kennt sich aus. Seine Frage war kaum ausgesprochen, da funkeln seine Augen bereits. Er hatte ihn – den unverkennbaren Spirit des Ultratrail Lamer Winkel, einer Wettkampfveranstaltung, die einen ganzen Gemeindekreis in seinen Bann zieht.

Dem, 200 Kilometer von der Meerrettichstadt Baiersdorf entfernten Team Schamel ging es diesmal ganz sicher nicht um eine Zeitmarke oder gar den Streckenrekord. Nein, sie wollten abermals der pandemiebedingten Misere von Wettkampf-Absagen trotzen, Teamerlebnisse sammeln und dem Mythos des „König vom Bayerwald“ nachgehen. So war es gar geplant, dass zur Bewältigung der 55km langen und insgesamt 2600hm hohen Strecke mit ein paar kleinen Pausen über 9 Stunden durch den „Woid“ benötigt wurden.

Der Teamlauf sollte auch für die befreundete Gastläuferin Anke Friedl ein besonderer sein. 9 Wochen zuvor lief die erfahrene Trailrunnerin die Strecke des U.TLW schon einmal und brach sich bei einem Sturz unglücklich das Schlüsselbein.

Das war eine schwierige Zeit. Nach der Operation habe ich mit dem Ärzte- und Physioteam sofort konsequent an der Beweglichkeit gearbeitet und konnte bereits nach wenigen Wochen schon wieder locker joggen, erzählt Anke und ergänzt: Zunächst war es ein beklemmendes Gefühl, an den Ort des Sturzes zurückzukehren. Ich war sehr froh, mit den Freunden aus Team Schamel unterwegs zu sein. Die Stimmung ist immer großartig und man kann sich blind aufeinander verlassen. Das gab mir ein sicheres Gefühl.

Was für den klassischen Laufsport zunächst unwichtig klingt, stellt für Team Schamel auf Ultratrails einen nicht zu unterschätzenden Vorteil dar. Der U.TLW ist eine anspruchsvolle und sehr technische Strecke. Da ist es mental eine wertvolle Stütze, in einer eingespielten Gruppe unterwegs zu sein, weiß Stefan Meyer, der wie auch Anke Friedl den „König des Bayerwalds“, die längste von zwei Wettkampfstrecken bereits mehrmals lief. Natürlich muss da jeder für sich selbst durch, Hochs und Tiefs durchstehen und den Schmerz ertragen, der irgendwann unweigerlich kommt. Doch das Gemeinschaftsgefühl und der ständige Dialog untereinander ist eine ganz wichtige Säule, die dir immer wieder hilft neuen Mut zu fassen, ergänzt Sebastian Fahsold, der zwar den Ultratrail Lamer Winkel zum ersten Mal lief, mit dem Zugspitz Ultratrail, Transvulcania und dem Großglockner Ultratrail jedoch jede Menge Erfahrung am Berg hat.

Ein Gemeinschaftsgefühl ist auch in Lam sowie den benachbarten Gemeinden Arrach und Lohberg spürbar. Die Strecke verläuft durch alle drei Gemeinden und zieht durch eine landschaftlich hoch attraktive und körperlich sehr anspruchsvolle Streckenführung Menschen aus Österreich, Schweiz, Tschechien, Norwegen, Spanien, Portugal und vielen weiteren Ländern an. Für die tourismusgeprägte Region ist die Trailveranstaltung mit internationaler Aufmerksamkeit von hoher Bedeutung. Die unbändige Begeisterung für die Natur und Berglandschaft ist mindestens genauso glaubwürdig, wie die ehrlich gestellte Frage Wie woar´s?“, die Team Schamel am besagten Wochenende ungewöhnlich oft beantwortete, obwohl es dieses Jahr doch gar keinen Wettkampf geben konnte. Um den Interessenten und Fans des U.TLW dennoch die Möglichkeit zu bieten, die Strecke sicher und ohne große Umwege privat zu meistern, installierte der Veranstalter eine permanente Beschilderung der Strecke.

Mit 71% steinig-wurzelige Pfaden, 27% Schotterweg und nur 2% Asphalt, ist der Ultratrail im Bayerischen Wald ein wahres Naturerlebnis und birgt gleichzeitig eine große Herausforderung für Körper und Geist. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich – man muss zu jeder Zeit hochkonzentriert sein, weil nur selten ein flüssiges Laufen über einen längeren Zeitraum möglich ist., erinnert sich Johannes Hendel und fährt fort: Doch das Durchbeißen lohnt sich, denn man wird regelmäßig mit der wunderschönen Natur und vielen tollen Aussichtspunkten belohnt.

Die Zeit der Pandemie hat alles verändert – auch den Laufsport. Seit nun mehr als 4 Monaten kann das noch junge Team Schamel diesen, fernab der Geschwindigkeitsmesser und Ergebnislisten aus einem ungewohnt neuen Blickwinkel erkunden und zeitgleich die Frage nach dem Sinn mit den ursprünglichsten Ideen des Laufens beantworten: Laufen als die schönste und natürlichste Fortbewegung. Ob als “König im Bayerwald” oder rund um die Baiersdorfer Krenäcker. Zusammenhalt ist dabei nicht nur das Credo des Team Schamel sondern ein Grundsatz des gesamten Unternehmens Schamel Meerrettich seit 1846.