Lokalmatadorin Anke Friedl startet für Team Schamel

Mit der Erlangerin Anke Friedl verstärkt sich das Team Schamel Running nochmals im Ultratrail-Bereich und macht damit das halbe Dutzend voll.

Eine Teamvergrößerung war zunächst nicht geplant, doch dann wurden die Gespräche mit der 29-jährigen Sportlerin immer konkreter und spätestens nach einem Kurztrip in den Bayerischen Wald war für die starke Trailrunnerin Anke Friedl alles klar: Von nun an läuft sie mit der Kren-Marie auf dem Trikot.

Wie alles geschah, wie Anke ihren Weg von der Leichtathletik in die Berge fand und was sie in Zukunft erreichen möchte, erzählt sie im Interview.

>> Hi Anke, herzlich Willkommen im Team Schamel!

Vielen Dank für´s Willkommenheißen. Ich freue mich sehr.

>> Im Juli warst du als Gastläuferin mit Team Schamel im Bayerischen Wald, um die Strecke des U.TLW zu laufen. Zudem kennst Du Sebastian und Stefan seit einigen Jahren und absolvierst mit Johannes viele deiner Trainingseinheiten. Für viele ist dein Beitritt zu Team Schamel demnach keine Überraschung. Wie geht es Dir dabei? Was hat Dich letztlich dazu bewegt das Team zu ergänzen?

Ja richtig, Sebastian und Stefan kenne ich schon einige Zeit und mit Johannes trainiere ich seit vielen Jahren regelmäßig. Wir sind im regen Austausch – gemeinsam hatten wir schon vor Jahren immer wieder Ideen rund um den Laufsport.

Die damalige Gastläuferin Anke Friedl mit Stefan und Sebastian auf einem der vielen Downhills des Ultratrail Lamer Winkel

Der gemeinsame Trainingslauf im Lamer Winkel war eher eine spontane Entscheidung, da ich für das Wochenende andere Pläne hatte, die dann aber nicht zustande kamen. Also entschied ich, wenige Tage davor, mit Team Schamel in den Bayerischen Wald zu fahren. Ich war sehr motiviert und wollte das schlechte Omen begraben, dass sich 9 Wochen zuvor aufgrund eines Sturzes mit Schlüsselbeinbruch auf selber Strecke in mir manifestiert hatte. Mit den Jungs hat das super hingehauen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und von vornherein war ein einzigartiger Teamspirit spürbar. Es ist der Zusammenhalt, das aufeinander Verlassen können und das gegenseitige Vertrauen zueinander. Dort spürte ich dann, dass Team Schamel jenes Laufteam ist, wie ich es schon lange gesucht habe. Ein Team, eine intrinsische Leidenschaft und dieselbe Vorstellung vom Laufsport und dem Trailrunning. Wir gehen an die Startlinie, um unser Bestes zu geben, um möglichst Vorne dabei zu sein – und dennoch ist das Mindset locker, lustig und alles andere als eingefahren und konservativ. Am Ende hat es sich dann einfach ergeben, dann war allen klar, dass wir in Zukunft auch im selben Trikot gemeinsam laufen und Wettkämpfe bestreiten. Darüber bin ich super happy.

>> Du hast Johannes 2014 in einer Trainerausbildung kennengelernt. Um welche Ausbildung handelte es sich? Und wie hat dir das in deiner persönlichen Entwicklung weitergeholfen?

Vor 6 Jahren haben wir an der Academy of Sports die Ausbildung zum Fachtrainer für Ausdauersport gemacht. Die Vorstellungsrunde war sehr witzig, als sich mit Johannes und mir zwei Ausbildungsteilnehmer aus Erlangen vorgestellt hatten.

Es hat dann nicht lange gedauert und wir haben uns gleich zum Laufen verabredet, uns ausgetauscht, miteinander Trainingseinheiten geplant und im Weiteren Ideen zusammengetragen, etwas gemeinsames im Laufcoachingbereich aufzubauen.

Letztlich haben private und berufliche Umstände die gemeinsamen Ideen im Sand verlaufen lassen, doch haben wir seither ein hohes gemeinsames Trainingspensum. Als Johannes gemeinsam mit Matthias Schamel das Team Schamel gegründet hatte, habe ich mich sehr gefreut, dass schließlich doch eine der vielen Ideen umgesetzt werden konnte.

Ich habe mich in der Zeit als Coach mit Fokus Trailrunning und dem gesamten Laufsport sowie im Triathlon in der 1zu1-Betreuung von Athleten positioniert und betreibe seither individuelles Laufcoaching. 

Demnach hat mich die Trainerausbildung natürlich persönlich weitergebracht und zusätzlich bin ich sehr glücklich, über den Zufall dadurch Johannes und im folgenden das Team Schamel kennengelernt zu haben.

>> Seit einigen Jahren bist du häufig ein Top 10 Kandidat im Ultratrail-Bereich und konntest schon einige Podiumserfolge einfahren. Wieso Ultra, wieso Trail – wie sah deine sportliche Karriere bis dato aus? Erzähl uns ein bisschen was von Dir!

Bis zu meinem 17. Lebensjahr habe ich 10 Jahre aktiv Handball gespielt. Teil des Ausdauertrainings war dort immer auch einmal pro Woche Laufen gehen. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.

Mit 14 Jahren nahm ich das erste mal an einer Laufveranstaltung über 14km, beim damaligen Städtemarathon zwischen Erlangen und Herzogenaurach teil. Seither bin ich dann immer zum Handballtraining gelaufen. Da wurde mir klar, dass mein Talent im Laufsport dem im Handball überwiegt.

Als ich mit 17 Jahren schließlich mit dem Handball aufhörte, wechselte ich zunächst in die klassische Leichtathletik, lief 8 Jahre für die LAC Quelle Fürth, zunächst über 10km und im Cross und später dann vom Halbmarathon bis zur Marathon-Distanz. 

2011 tauchte ich zusätzlich in die Welt der Triathleten ein, absolvierte 6 Mitteldistanzen und startete in der Liga.

Im Jahr 2015 zwang mich ein gesundheitlicher Rückschlag zur längeren Pause. Zu diesem Zeitpunkt bot mir ein Freund an, einmal mitzukommen, in die Berge, zu einem Trailrunningevent. Im Rahmen des Zugspitz Ultratrail habe ich dann spontan beim Basetrail XL teilgenommen, bin ohne Trainingsvorbereitung Dritte geworden und war schließlich von dieser geilen Sportart infiziert.

Seit 2016 laufe ich nun hauptsächlich Traildistanzen zwischen 40 und 60 Kilometer, aber immer wieder auch mal einen Cross- oder einen Straßenlauf. 

Dort bin ich ambitioniert dabei und versuche möglichst im vorderen Bereich mitzulaufen, wobei es beim Trailrunning nicht ausschließlich um Zeiten geht. Es geht um das Abenteuer, das Naturerlebnis und den Kampf mit sich selbst und der Natur; sich zwar schnell in den Bergen fortbewegen, aber nicht ständig der Uhr hinterherrennen, die Strecke bewältigen und ankommen. Dabei kann sehr viel passieren – dass ist das was für mich den Reiz ausmacht.

>> 3 Frauen, 3 Männer, von 24 bis 41 Jahren, von schnellen 400m auf der Bahn bis zu 100km++ im alpinen Bereich. Wie passt das eigentlich zusammen?

Das ist äußerst reizvoll und sicher etwas ganz besonderes, das Team Schamel ausmacht. Die Heterogenität in Disziplin und Alter ist eine Bereicherung für das Team, weil jeder von jedem lernen kann. Von so erfahrenen Athleten wie Stefan lernt man auf der einen Seite, wie man einen 100km-Lauf bewältigt, mit Annika kannst Du die 400m-Intervalle auf der Bahn rennen und Anni zeigt dir die Schönheit unserer Erde auf ihren Mehrtagestouren. Hier finden so viele Facetten zueinander und man erhält Input von vielen Seiten. Das empfinde ich als sehr bereichernd, einfach großartig. Und letztlich ist ein breites Repertoire das, was einen guten Läufer auch ausmacht.

>> Gib uns eine Vorausschau, wo geht´s 2021 hin? Was sind deine Ziele?

Aus gesundheitlichen Gründen, dem Schlüsselbeinbruch, dem Lockdown und der gesamten Covid-Krise, habe ich mich entschieden das Sportjahr 2020 bis auf wenige Wettkämpfe, wie den Neideck 66 Ultra locker anzugehen. Ich trainiere deshalb natürlich dennoch, sehe aktuell vieles aber entspannter.

2021 möchte ich, wenn es die Pandemie erlaubt, wieder angreifen. Mit dem Supertrail des ZUT, dem Großglockner und einem Traillauf in der Provence sind neben der Teilnahme an kleinen regionalen Läufen die Highlights geplant. Im Trail werde ich mich weiterhin im Distanzbereich zwischen 40 bis 60, maximal 70 Kilometer aufhalten. Da passt der Transvulcania auf der kanarischen Insel La Palma wunderbar ins Portfolio und ist ein Wannado ganz oben auf meiner Liste. Ein Lebenstraum wäre es, bei diesem Race eine Top-10-Platzierung zu erreichen.

>> Und der Straßenlauf? Ist der Spirit verbrannt oder geht da noch was?

(Lacht) Nein, der Spirit ist nicht ganz verbrannt. Ich habe aus der Vergangenheit viele Bestzeiten an Schwellen, die mich schon immer wieder motivieren, da nochmal nachzulegen und Bestzeiten aufzustellen. Wie zum Beispiel der Sub-3-Marathon (Marathonzeit unter 3 Stunden). In einem Trainingswettkampf bin ich im Rahmen des Fränkischen Schweiz Marathon 2015 eine Zeit von 3 Stunden und 4 Minuten gelaufen, die ich gerne noch um die vier fehlenden Minuten zur “Sub-3” verbessern möchte. Das gelingt mir heute auch sehr viel besser als früher, da ich nun die gewisse innere Ruhe habe und mir einen Umgang mit der Nervosität vor Wettkämpfen angeeignet habe. Ich kann mir nun sehr viel besser den mentalen Druck nehmen, um schnelle Zeiten bei Straßenläufen auf´s Parkett zu bringen. Mit Team Schamel kann ich mir durchaus vorstellen, in naher Zukunft die Sub-3-Marke im Straßenmarathon anzugehen. Mit diesem Team hat man für ein solches Vorhaben die idealen Bedingungen.

>> Verrate uns, wieso ist Schamel Meerrettich und der Laufsport die perfekte Kombination?

Der Meerrettich ist ein heimisches, regionales und sehr gesundes Lebensmittel, reich an Vitamin C. Für mich als ernährungsbewusste Sportlerin, die sich vegetarisch und zunehmend vegan ernährt, ist die Wurzel ein interessantes und wichtiges Lebensmittel. In Zeiten von importierten Superfoods aus fernen Ländern, stellt das Festhalten am “fränkischen Superfood” eine gelungene Gegenbewegung dar. Ich meine, wir sollten uns viel häufiger mit der regionalen Herstellung von Produkten aus heimischen Pflanzen beschäftigen, bevor wir gedankenlos Chiasamen aus Mittelamerika in den Einkaufswagen legen. Somit kann ich mich mit der Philosophie von Schamel Meerrettich absolut identifizieren.

Meerrettich ist für Läufer einfach ein tolles Lebensmittel, ob man ihm nun den Superfoods dieser Welt zuschreiben mag oder nicht. Gesund, natürlich, lecker und direkt bei uns um´s Eck erhältlich.

Vielen Dank, liebe Anke für die vielen Einblicke. Wir wünschen Dir alles Gute, viel Erfolg und natürlich sehr viel Spaß im Team Schamel.